„Smombies“ werden sie auch genannt. Die nach unten schauenden Passanten, deren Blick geistesabwesend am Smartphone klebt, während sie durch die Straßen wandeln. Welche Auswirkungen der geknickte Nacken auf unsere Rückengesundheit hat und was Sie gegen Verspannungen tun können, erfahren Sie hier.

Ein neues Phänomen – der Handy-Nacken

Etwa 5kg wiegt der Kopf – dies ist die normale Belastung für Nackenmuskulatur. Beim Abknicken des Kopfes um 60 Grad steigt die Nackenlast auf 27 kg. Muskelverhärtungen, Verspannungen und Bandscheibenprobleme sind die Folge. Eine Studie untersuchte die Belastung nach Abknickgraden. Die meisten Smartphone-Benutzenden senken den Kopf um etwa 45 Grad, was immerhin noch Kräfte von 20 kg bedeutet. Jährlich 700 bis 1.400 Stunden starren wir so auf unser Handy und werden daher zurecht die „Head-Down-Generation“ genannt.

Verkrampfende und überarbeitete Muskulatur

In einer solchen Position befinden sich die kleinen Gelenke zwischen den Wirbelkörpern in einer Endposition und die Gelenkkapseln, wie auch die Bänder und die Muskulatur, sind gespannt. So wirken auf die Halswirbelsäule immense Kräfte. Schwerstarbeit für die meist untrainierte Nacken- und Rückenmuskulatur. Dadurch kann der Nacken die Arbeit nicht lange verrichten, ermüdet und verkrampft. Bei längerer Fortdauer des Kopf-hängen-lassens können sich irreversible Haltungsschäden, Bandscheibenvorfälle und chronische Nackensteife einstellen. Auch Atemprobleme oder Kopfschmerzen können aus dem krummen Rundrücken folgen.

Schützenswerte fühlende Säule

Die Halswirbelsäule ermöglicht einen großen Bewegungsradius.  Kleine Gelenke an den Wirbelkörpern der Halswirbelsäule machen 90 Grad Drehungen nach links und rechts möglich. So haben wir immer den besten Überblick. Die Bänder wirken wie befestigende dicke Gummibänder, während die Muskulatur die aktive Bewegung ermöglicht. Zudem liegen in den Gelenkkapseln, den Bändern und auch der Muskulatur eine Reihe von Messfühlern (Nerven, Rezeptoren), die ständig an das Gehirn Information, z.B. über die Stellung des Kopfes im Raum oder die Spannung in der Muskulatur, liefern. 

Wie bleibt der Nacken glücklich?

  1. Auf Augenhöhe: Arm heben statt Kopf senken. Das Smarthone einfach auf Augenhöhe bringen und dann in Ruhe E-Mails checken.
  2. Dehnen und lockern: Dafür den Kopf 90 Grad links und rechts drehen. Richtung Schulter dehnen, dabei die Schultern senken. Öfter am Tag den Nacken strecken. Auch die Anti-Krumm Dehnung, also Arme ausbreiten und die Brust weiten, kann wohltuend sein.
  3. Blick senken, statt den Kopf: Öfter mal nur den Blick zum Smartphone sinken lassen, dabei den Kopf gerade halten.
  4. Muskeln kräftigen: Nur eine starke Muskulatur ist in der Lage, die Wirbelsäule angemessen zu schützen. Daher müssen diese Muskeln regelmäßig gekräftigt werden durch Rückenschule.
  5. Gesunde Haltung einüben: „chin-in“ (amerik.) ist ein Ausdruck für eine gesunde Kopfhaltung und bedeutet Kinn in Richtung Kehlkopf senken. Dies trägt zur Gesunderhaltung unserer Wirbelsäule bei. 
  6. In die Ferne gucken: Nacken und Augen entlasten durch einen weiten Blick auf den Horizont.
  7. Pausen: Legen Sie ausreichend Smartphone-Pausen ein, sodass Sie nicht länger als ein paar Minuten in der Haltung verharren. 

Quellen:

Grönemeyer D: Rücken-Wellness, 2018

Die RückenFibel

Unsere Rücken Wellness Fibel, von Prof. Dr. med. Grönemeyer enthält wertvolle Tipps aus der Praxis zum Thema Rücken und Rückenschmerzen. Die anschauliche Beschreibung der „Persönlichkeit“ des Rückens hilft Ihnen, diesen viel besser zu verstehen und dessen Wohlbefinden zu unterstützen.

Bestell Button Amazon


Hansraj KK: Assessment of stresses in the cervical spine caused by posture and position of the head

Zuletzt eingesehen 13.6.2019 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25393825

Bilderquelle:

unsplash-logoArthur Edelman