Die Erfindung des »Röntgen« – ein Quantensprung in der Medizingeschichte.

Waren früher stets chirurgische oder sezierende Eingriffe nötig gewesen, um einen Blick in das Innere der Patienten werfen und krankhafte Veränderungen ausmachen zu können, so führten physikalische Experimente nun zur Entdeckung einer Strahlung, mit deren Hilfe das Innere des Körpers von außen durchleuchtet und sichtbar gemacht werden konnte.

Eher zufällig war der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923) hinter das Geheimnis der X-Strahlen, einer später nach ihm benanntenHochfrequenz-Strahlung gekommen. Als er am 8. November 1895 bei Experimenten mit einer Kathodenstrahlröhre die eigene Hand versehentlich in den Strahlungsbereich hielt, zeichnete sich auf einer dahinter liegenden fotografischen Platte die knöcherne Struktur der Hand als heller Schatten ab. Das »Röntgen«, das erste bildgebende Verfahren, war entdeckt: ein Quantensprung in der Medizingeschichte, die technische Voraussetzung für ganz neue Diagnoseverfahren. Ohne erst zum Skalpell greifen zu müssen oder Vermutungen über die Krankheit als irgendein göttlich verhängtes Schicksal anstellen zu müssen, konnte man jetzt Frakturen, Gewebeveränderungen oder Wucherungen, bald auch, unter Verwendung von Kontrastmittel, die gestörte Funktion innerer Hohl-Organe erkennen – und sehr viel gezielter behandeln. Binnen weniger Jahre zählte die Röntgen-Untersuchung zu den Standardverfahren der Diagnostik. […]

Zwar zählt das Röntgen nach wie vor zu den gängigen Verfahren der Diagnostik, doch gibt es inzwischen auch technische Diagnosemöglichkeiten, die erstens wesentlich weniger risikobehaftet sind und zweitens bessere Darstellungen liefern.

Computertomographie

So kann die sehr schnelle und strahlenarme Computertomographie (CT ), die auf Röntgentechnik beruht, Schnittbilder von Organen in Sekundenschnelle erstellen, beispielsweise das ganze Herz in 0,3  Sekunden und ohne Katheter. Heute sind dreidimensionale Darstellungen von Körperregionen, insbesondere von Knochen, Gefäßen und flüssigkeitsgefüllten Hohlräumen wie dem Herzen, möglich, wie man es sich noch vor zehn Jahren nicht hatte träumen lassen.

Mikrotherapie

Die CT Navigations- Technik ist überdies eine der wichtigen Komponenten bei der präzisen Steuerung und Platzierung von Instrumenten in der Mikrotherapie, die Prof. Dr. Grönemeyer vor über 30  Jahren eingeführt hat. Minimalinvasive Interventionen mit dem Katheter oder mit Endoskopen reichen zurück bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Dabei erübrigen sich zunehmend größere chirurgische Öffnungen des Körpers. Stattdessen werden durch kleine Schnitte Instrumente eingeführt, die der Operateur von außen steuert. Was er tut, kann er auf einem Bildschirm verfolgen. Während er sie durchführt, sieht er den Verlauf der OP quasi wie im »Film«. So kann er mit dem Ballon eines Katheters etwa die Herzkranzgefäße erweitern, oder bei minimalinvasiver Therapie mit dem Endoskop – seinen verlängerten Augen – direkt den Meniskus im Knie oder die Gallenblase präzise und sicher behandeln.

Sonographie

Noch ein weiteres Verfahren hat die Möglichkeiten der Diagnostik um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erweitert: die Sonographie, bekannt geworden als Ultraschalluntersuchung. Da sie mit keinerlei Strahlenbelastung verbunden ist, kam sie zunächst vor allem in der Geburtshilfe sowie generell in der Gynäkologie zum Einsatz. Die Chancen der Früherkennung drohender gesundheitlicher Probleme bei Neugeborenen haben sich damit erheblich verbessert. Die Rate der Mütter- und Säuglingssterblichkeit sank signifikant. Auch bei den bereits erwähnten minimalinvasiven Eingriffen wird die Sonographie zur Kontrolle und Führung der Instrumente verwendet. Für die Internisten, für Gynäkologen und Urologen ist sie eines der vorrangigen diagnostischen Hilfsmittel, besonders bei der Diagnose des Herzens und des Bauchraums. Faszinierend sind die Möglichkeiten der 4 D-Diagnose am schlagenden Herzen und berührend beim Anblick des wachsenden Kindes im Mutterleib.

Hightech-Medizin

Weitere Verfahren der Hightech-Medizin sind hinzugekommen: die Positronen-Emissionstomographie (PET ), mit der sich unter anderem sonst nicht erkennbare Tumoren und Metastasen diagnostizieren lassen, sowie die Kernspintomographie oder Magnetresonanztomographie, die bisher revolutionärste Technik der Radiologie, denn sie kommt sowohl ohne ionisierende Strahlung als auch ohne den Einsatz radioaktiver Kontrastmittel wie im PET aus. In der Gefäßdiagnostik kann die Kernspintomographie (MRT ) diagnostische Katheter-Untersuchungen ersetzen. Mit Ausnahme der Untersuchung von Lunge und Knochen ist sie der Computertomographie deutlich überlegen. Erstens strahlt sie nicht. Und zweitens liefert sie uns unglaublich hilfreiche Informationen zu Tumoren und Entzündungen, zu Nerven und Gefäßen sowie zu den Funktionen von Gelenken und Organen ebenso wie zur Vorsorge und zur Therapie, zur Nachsorge und zur Rehabilitation.

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