Ein Kreislauf schließt sich. Nachdem Menschen jahrelang Tonnen von Kunststoff produziert haben, kommt er in verschiedenen Formen zu uns zurück. Meere, Böden, Luft und auch der menschliche Körper könnten Schaden nehmen durch die unsichtbaren Partikel. Wie gesundheitsschädlich ist Mikroplastik?

Die unsichtbare Größe im Essen

Plastikteilchen mit einer Größe kleiner 5 Millimeter werden als Mikroplastik bezeichnet. Bekannt ist Mikroplastik als Zusatz in Kosmetikprodukten, es entsteht aber vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung größerer Plastikteile in der Umwelt. Inzwischen vermuten Forschende, dass wir den größten Anteil des Mikroplastiks über die Nahrung aufnehmen. Da Gewässer Sammelbecken für Kunststoffabfälle darstellen, sind insbesondere Meerestiere jeder Art belastet. Viele von ihnen, so zum Beispiel Fische und Meeressäuger, fressen Mikroplastik, da sie es nicht von ihren natürlichen Nahrungsquellen unterscheiden können, Muscheln und andere Weichtiere lagern es möglicherweise ein oder konzentrieren Mikro- oder Nanopartikel vielleicht ähnlich wie Radionuklide. Nachdem Plastikpartikel einmal in den Kreislauf der Nahrungskette eingegangen sind, verschwinden sie vermutlich kaum noch. Sie landen irgendwann auf unseren Tellern und gelangen so in unseren Körper.

Plastikaufnahme auch durch die Luft 

Laut einer aktuellen Studie* nehmen wir mit jeder Mahlzeit mehr als 100 Plastikpartikel zu uns. Das Plastik gelangt allerdings nicht nur über die Nahrungsmittel selbst, sondern auch über die Luft in den Körper. Die Wissenschaftler platzierten Petrischalen mit einer klebrigen Oberfläche für etwa 20 Minuten auf dem Essenstisch. Nach den Mahlzeiten analysierten die Wissenschaftler die Schalen und fanden bis zu 14 Plastikteile. Daraus errechneten sie für die durchschnittlichen Teller etwa 114 Mikropartikel. Vermutlich werden die Plastikteile aus Staub und der Luft ebenfalls direkt eingeatmet. Im Stuhl und in Zellen wurden bereits vereinzelt Plastikpartikel nachgewiesen. Welchen Effekt das auf unsere Gesundheit hat, lässt sich noch nicht abschätzen. Es fehlen bislang weitreichende und aussagefähige Studien.

So könnten Sie selbst Plastik reduzieren:

• Naturfasern bei Kleidung und Textilien: Möglichst auf Kunstfaser-Gewebe verzichten und Produkte aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle, Seide etc. verwenden. Gleiches gilt für Teppiche, Vorhänge oder Möbel.

• Kinder besonders schützen: bei Kindern sollte – wenn möglich – weitgehend auf Plastik verzichtet werden, besonders bei Geschirr, Besteck und Trinkbechern. Hier gibt es bereits gute Alternativen aus Bambus, Mais etc. Und interessante Verbundmaterialien. Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass sie keine Softdrinks aus Plastikflaschen trinken. Je früher Menschen mit hormonaktiven Substanzen (wie BPA) in Kontakt kommen, die sich aus dem Plastik herauslösen können, desto höher ist das Risiko von gesundheitlichen Spätfolgen.

• Beim Einkauf und bei der Ernährung: Möglichst auf offensichtliches Plastik (Verpackungen, Tüten) sowie Nahrungsmittel, die besonders belastet sind, verzichten. Das heißt auch weniger Fleisch und Fisch, und am besten unverpacktes Gemüse/Obst und andere Lebensmittel kaufen.

• Plastik-Abfälle bitte gezielt in die Plastikmülltonne werfen. Auch kleinste Schnipsel.

Größere Plastikbehälter und sonstige Produkte, die bereits im Alltag eingesetzt werden, möglichst lange nutzen und intelligent wieder- bzw. weiterverwerten.

Oder Kunstwerke daraus anfertigen wie Stephan Horch, um andere zum Nachdenken zu bringen.

Dietrich Grönemeyer und Stephan Horch füllen einen Container mit Müll, den Horch und seine Mitstreiter vom „Clean River Project“ auf 36 Moselkilometern gesammelt haben
(Quelle: Christian Schnelting).
Mehr dazu: https://dietrich-groenemeyer.com/termine/tv/leben-ist-mehr/leben-ist-mehr-menschen-gegen-muell/

Komplett Plastik bzw. Mikroplastik-frei zu leben ist kaum möglich und bedarf eines globalen Umschwenkens. Sowohl in der Produktion als auch in der individuellen Handhabung sowie in der Entwicklung von Alternativen und intelligenten Recyclingansätzen. 

* Quelle:

Ana I., Catarinoa V M, William G et al: Low levels of microplastics (MP) in wild mussels indicate that MP ingestion by humans is minimal compared to exposure via household fibres fallout during a meal  (Zuletzt eingesehen 8.6.201) https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749117344445?via%3Dihub

Schwabl P, Liebmann B, Köppel S et al: Assessment of microplastic concentrations in human stool – Preliminary results of a prospective study –präsentiert im Rahmen der UEG Week 2018 in Wien am 24. Oktober 2018.

Sturmberger W: Mikroplastik: In aller Munde und Körper, September 2018, Zuletzt eingesehen 7.6.2019 https://www.biorama.eu/mikroplastik-im-koerper/

MRC-PHE Centre for Environment and Health, Analytical and Environmental Sciences: Plastic and Human Health: A Micro Issue? (Zuletzt eingesehen am 8.6.2019) https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.est.7b00423