Naturliebhaber kennen die kleinen schwarzen Biester, auf die wir uns nach jeder Wanderung absuchen. Unbemerkt krabbeln sie im hohen Gras auf unsere Haut und saugen sich zum Blut-trinken fest. Aber haben Zecken ihren schlechten Ruf wirklich verdient? Wann lohnt sich eine Impfung?

Borreliose, FSME und Co. – welche Krankheiten können Zecken übertragen

Urlaubszeit ist Zeckenzeit. Viele Menschen geraten in Panik, wenn sie eine Kleine an sich finden. Aber wie viel Sorge ist berechtigt? Zecken sind sogenannte „Vektoren“, das heißt durch den Zeckenbiss sind sie Überträger bestimmter Erkrankungen. Dazu gehören das Erythema migrans (Wanderröte), die Lyme-Borreliose, die Herxheimer-Krankheit (Acrodermatitis chronica atrophicans, als Folge der Borreliose), FSME (Frühsommer-Meningo-Enzephalitis) und das Rückfallfieber. Als Erreger wirken Bakterien (Borreliose) oder Viren (FSME) und so unterschiedlich sind auch die Behandlungs- und Erkrankungsmöglichkeiten.

Die gefürchtete FSME – Komplikationen selten

Der Virus braucht bis zu 4 Wochen, um sich bemerkbar zu machen – nach dem eigentlichen Zeckenbiss. In 80% der Fälle verläuft die Erkrankung asymptomatisch. Ansonsten sind grippeähnliche Symptome zu bemerken mit plötzlich hohem Fieber. In 10% der Fälle kommt es nach einer fieberfreien Woche zum sogenannten Meningitisstadium (Meningitis: Hirnhautentzündung) mit erneutem Fieberanstieg, Krämpfen bis hin zu Paresen (Lähmungen), Benommenheit und Koma. In 1% der Fälle kann es zu Komplikationen kommen wie Blindheit, Taubheit, Parkinson oder Tod. Spätschäden sind allerdings selten.

In durchseuchten Gebieten oder bei erhöhten Risikogruppen (Förster, Waldarbeiter, Reisen in Endemiegebiete) sind aktive Impfungen (Totimpfstoff) als Prävention möglich. Es gibt auch eine passive Impfung, die innerhalb von 3 Tagen nach Zeckenbiss angewendet werden kann, als mögliche Therapie. Nach Ablauf der Infektion besteht lebenslange Immunität. Vorbeugung ist allerdings der beste Zeckenschutz (s.u.).

Komplexer Krankheitsverlauf bei Lyme-Borreliose

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung, allerdings ist sie häufiger als die FSME. Der Erreger ist ein Bakterium mit dem Namen „Borrelia burgdorferi“. Der mögliche Krankheitsverlauf durchläuft verschiedene Stadien, die allerdings nicht chronologisch verlaufen müssen, teils unspezifisch und daher schwierig direkt der Borreliose zuordbar sind. In jedem Stadium kann die Krankheit außerdem stoppen. Im ersten Stadium werden nach 1-12 (!) Wochen nach Zeckenbiss sogenannte Prodromi gespürt (unspezifische Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit, Übelkeit). Spezifischer zu erkennen sind bläuliche schmerzlose Verfärbungen in der Haut, sowie das bekanntere Phänomen der Wanderröte (Erythema chronicum migrans), das auch als eigene Erkrankung gilt. Nach Wochen bis Monate kann das zweite Stadium eintreten, die lymphozytäre Meningoradikalitis. Dies bedeutet das sich die Spinalnerven (Nervenwurzeln) entzünden. Die Betroffenen haben dann heftige ziehende Schmerzen, v.a. nachts. Weiter kann es im dritten Stadium zur Lyme-Arthritis (v.a. in Knie- und Sprunggelenke) oder zur Myokarditis (Herzmuskelentzündung) kommen. Im vierten Stadium kann sich die Borreliose zur Herxheimer-Krankheit entwickeln. Das bedeutet, dass die Haut (genauer das Unterhautfettgewebe) atrophiert und pergamentartig wird. Außerdem können sich zunehmend Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark bilden und zu Nervenstörungen (Polyneuropathien) und Fehlempfindungen führen. Bei Verdacht auf Borreliose gibt es schulmedizinisch die Möglichkeit der Antibiotikagabe. 

Rückfallfieber – eher aus den Tropen bekannt 

Eine weitere durch Zecken übertragene Krankheit ist das v.a. in den Tropen vorkommende Rückfallfieber. Auch hier ist es eine Borrelienart (B. recurrentis/duttoni), die die Erkrankung hervorruft. Nach Eintritt der Erreger kommt es über Lymph- und Blutgefäße zu einer Ausbreitung über den gesamten Organismus (Bakteriämie). Dies geht mit plötzlichem hohem Fieber, Gelenk-, Kopf-, Brust- und Gliederschmerzen sowie Übelkeit einher. Den Namen hat die Erkrankung durch wiederkehrende typisch verlaufende Fieberschübe. Komplikationen können Lungenentzündung, Herzschäden, Nierenschäden u.a. sein. Die Letalität liegt höher als bei der FSME bei etwa 5%.

Was tun bei Zeckenstich?

Die Entfernung einer Zecke sollte möglichst zeitnah und durch eine geeignete Zeckenzange (samt Kopf) erfolgen. Einstichstelle und Haut- und Körperveränderungen sollten beobachtet werden. Bei Unsicherheit und in gefährdeten Virus-Gebieten sollte möglichst ein Arzt konsultiert werden. Bei ersten Hautveränderungen (siehe Wanderröte) sind therapeutische Maßnahmen angezeigt.

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Quellen:

Robert Koch Institut: Zeckenübertragene Erkrankungen https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Z/Zecken/Zecken.html

Bierbach E: Naturheilpraxis heute, 2008

Bilderquellen:

unsplash-logoFoad Roshan