Labormedizin im Überblick

Auf die Probe gestellt: Wenn Blut, Urin & Co untersucht werden 

Blut, Urin, Stuhl, Nervenwasser, Gewebe – ohne sie wären wir Nichts und trotzdem erfüllt uns der Gedanke an diese Stoffe nicht unbedingt mit Wohlgefühl. Das ist völlig ok und Glücksgefühle sind nicht nötig. Dennoch sollten wir dankbar sein, dass die Labormedizin es möglich macht, so viel über unsere Gesundheit herauszufinden. Mit spezifischen Laborergebnissen können passende Behandlungen eingeleitet werden. 

Spezialisierte Labore sind quasi die Spürhunde der Medizin. Es heißt, dass 70% der Diagnosen heute mit Hilfe der Labormedizin gestellt werden.

Untersuchungen werden in der Regel durchgeführt, wenn sich Symptome bemerkbar machen. Die Labormedizin hat sich darauf spezialisiert, die Ursachen von gesundheitlichen Herausforderungen und Krankheiten zu finden, so dass der behandelnde Arzt oder Ärztin mit dem Ergebnis aus dem Labor die Diagnose präziser stellen und somit die richtige Behandlung bestimmen kann. 

Aber auch wer Blut & Co. im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen ins Labor schicken lässt, kann von dieser Art der Diagnostik profitieren: Krankheiten, Mangelerscheinungen, Tendenzen und Veranlagungen für bestimmte Krankheiten können auf diese Weise häufig rechtzeitig erkannt werden. 


Eine ganz schön blutige Angelegenheit

Unser Blut ist ein besonders interessanter Stoff. Im „Saft des Lebens“ befinden sich wichtige Stoffwechselprodukte. Anhand der Blutwerte lässt sich zum Beispiel einiges zum Zustand und der Funktion der Organe und dem Hormonsystem ablesen. Darüber hinaus erfährt man Fakten zur Anzahl der vorhandenen Mineralien, Vitamine, Aminosäuren, Metalle, Fette und anderen Bestandteilen. 

Weist das Blutbild Auffälligkeiten auf, können im Rahmen weiterer Untersuchungen zusätzliche Informationen wie zum Beispiel Tumormarker, Rheumafaktoren, Antikörper, Immunstatus oder die Fraktion der weißen Blutkörperchen genauer untersucht werden.

Auch für eine DNA-Analyse, also eine genetische Untersuchung, kann eine Blutuntersuchung erforderlich sein. Es kann zum Beispiel ermittelt werden, ob man eine besondere Veranlagung für bestimmte Krankheiten in sich trägt. 


Am liebsten ohne Zucker, Eiweiß oder Blut: Die Aussagekraft von Urin

Am Urin lassen sich erste Hinweise auf bestimmte Krankheitsgeschehen ablesen. 

Standard und vermutlich den Meisten bekannt, ist der sogenannte Schnelltest: Man gibt Urin, idealerweise den sogenannten Mittelstrahl, in ein Behältnis ab. Ein Teststreifen mit mehreren Unterteilungen kann anzeigen, ob sich Blut, Zucker, Eiweiß, Ketone, oder auch Nitrit – ein Abbauprodukt von Bakterien – im Urin befindet. Entzündungen des Urogenitaltraktes, Hinweise auf die Nierenfunktion und Diabetes – erste Indizien können sich im Urin finden. Unter dem Mikroskop kann Harn noch spezifischer untersucht werden. Häufig werden Urin und Blutuntersuchungen parallel durchgeführt, um eine möglichst genaue Diagnose stellen zu können.

Gute Bakterien herzlich willkommen: Der Stuhl weiß, wer im Darm wohnt

Die vermutlich bekannteste Form der Stuhluntersuchung ist der sogenannte Hämoccult-Test, der den Nachweis winziger Blutspuren ermöglicht und damit eine einfache Methode zur Früherkennung von Darmkrebs und seinen Vorstufen darstellt. Darüber hinaus gibt es noch den immunologischen Stuhltest sowie den M2-PK-Stuhltest – beide Methoden werden ebenfalls für eine Darmkrebsfrüherkennung eingesetzt.

Zum Nachweis von verschiedenen Krankheitskeimen, wie Bakterien, Pilze oder Parasiten kommen Stuhluntersuchungen ebenfalls zum Einsatz. Bei welchen Beschwerden eine Stuhluntersuchung angeraten ist, entscheidet der behandelnde Arzt / Ärztin mit seinen Patienten.

Aus Sicht der Naturheilkunde nimmt die Stuhluntersuchung eine besondere Rolle ein:

Die Zusammensetzung der Bakterienflora sowie ein eventueller Befall von Pilzen kann Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand liefern. Die Naturheilkunde geht davon aus, dass

Die Zusammensetzung des Stuhls nicht nur wertvolle Hinweise bei Magendarmerkrankungen, sondern auch bei allergischen Erkrankungen, Abwehrschwäche sowie bei rheumatischen- und bei Autoimmun-Erkrankungen liefern kann. Auch bei Beschwerden, die sich die Schulmedizin nicht erklären kann, werfen Naturheilkundler gerne einen Blick auf das Ergebnis einer Stuhluntersuchung.

Gewebe mit Wissen

Gewebeproben werden dann entnommen, wenn ein Verdacht auf Zellveränderungen und entartetes Gewebe besteht oder auch um entzündliche Geschehen abzuklären.

Im Rahmen der gynäkologischen Krebsvorsorge ist der Zervixabstrich die bekannteste Form einer Gewebeuntersuchung – zumindest bei Frauen. Es handelt sich dabei um die Entnahme einer Gewebeprobe am Gebärmutterhals. Andere Gewebeproben müssen häufig etwas aufwändiger über Biopsien entnommen werden.

Auch Nervenwasser weiß was

Nervenwasser – oder in Fachsprache „Liquor cerebrospinalis“ – ist eine Flüssigkeit, die sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark umgibt, dort wie ein Puffer wirkt und somit dem Schutz, zum Beispiel vor Erschütterungen, dient. Bei Verdacht auf Krankheitsgeschehen, die das Gehirn oder Rückenmark betreffen, wird Nervenwasser über eine Lumbalpunktion aus dem Wirbelkanal entnommen. Krankheiten bei denen eine Untersuchung des Liquors nötig ist, sind u.a. Meningitis, Enzephalitis, Hirnblutungen, Leukämie, Rückenmarksentzündungen. Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und Infekte wie Borreliose können eine Entnahme auch relevant machen.

Die Arbeit von Labormedizinern führt aus Sicht von Patienten ein Schattendasein.  Wem ist schon bewusst, dass nicht nur Geräte auswerten, sondern Mediziner eine wichtige Rolle spielen. Sie werten nicht nur Ergebnisse aus, sie arbeiten Hand in Hand mit den behandelnden Medizinern, unterstützen und beraten, um die Diagnose so präzise wie möglich stellen zu können – mit dem Ziel die passende Therapie für Patienten zu bestimmen. 

Quellen:

https://ladr.de/diagnostik
https://www.gesundheitsinformation.de/was-passiert-bei-einem-gentest.2962.de.html
https://www.apotheken-umschau.de/diagnose/harnanalytik
https://www.netdoktor.de/diagnostik/stuhluntersuchung/
https://www.rheuma-liga.de/aktivitaeten/forschung/aktuelle-rheumaforschung/rheuma-und-darm/